Forsthäuser

Jägerhaus Hochdorf / Foto: Armin Koch
Jägerhaus Hochdorf / Foto: Armin Koch
Forsthaus Sumpf / Foto: Annelore Haines
Forsthaus Sumpf / Foto: Annelore Haines
Forsthaus Sägmühle
Forsthaus Sägmühle
Forsthaus Sumpf / Foto: Annelore Haines
Forsthaus Sumpf / Foto: Annelore Haines
Forsthaus Parkhaus
Forsthaus Parkhaus

Bissingen/Donauwörth Den Blick zurück auf eine fast vergessene Welt, die dennoch erst wenige Jahrzehnte zurückliegt, richtet die Heimatforscherin Gerda Schupp-Schied aus Appetshofen im Ries. Nun erschien der achte Band ihrer Reihe „Ausschnitte aus dem Rieser Dorfleben“.



Hochdorf-Jägerhaus

 

2 km nordöstlich von Oberringingen lag am Waldrand das fürstlich-oettingische

Forsthaus,

welches um die Jahrhundertwende erbaut und 1987 leider wieder vom Fürstl. Haus abgebrochen wurde.

früheres Jägerhaus /Foto: I.Koch

Forsthaus Hochdorf um 1926

 

„Tiefe Verbeugung vor der fürstlichen Familie“

 

- alle Berichte erstellt von Gerda Schupp-Schied -

 

Forsthaus Sumpf

 

Oberringingen. Die Serienberichte in den Rieser Nachrichten über das Leben in den einstigen Forsthäusern sind bis in den US-Bundesstaat Pennsylvanien gelangt. Margarete Oßwald aus Oberringingen hat sie dorthin an ihre Verwandte, Annelore Haines, geschickt. Diese ist eine Enkeltochter des ehemaligen Försters vom Forsthaus Sumpf bei Niederaltheim, Johann Christian Baumgärtner.

 

Er wurde 1860 in Zoltingen geboren und starb 1938 in Niederaltheim. Das Grab des Fürstlich Oettingen Wallerstein’schen Oberförsters Christian Baumgärtner gibt es noch auf dem Friedhof von Hohenaltheim. Seine Frau Katharina Babette, geborene Reiter, wurde 1861 in Ebermergen geboren und starb 1935 im Forsthaus Sumpf. 10 Kinder wurden dem Ehepaar geboren.

 

50 Jahre beim Fürst in Diensten

 

Veranlasst durch die Zusendung der RN-Berichte über Rieser Forsthäuser schreibt die 82-jährige Annelore Haines, geborene Baumgärtner, aus Pennsylvanien an ihre Oberringinger Verwandte: „Was den Sumpf anbelangt, habe ich ja die letzten Jahre über schon viel mit Dir korrespondiert. Was mir in Erinnerung blieb, sind persönliche Erinnerungen an meine ersten 10 Lebensjahre und danach wohnte der Großvater ja mit meiner Tante Babette (meinem Dodle) im Haus Nr. 51 in Niederaltheim. Großvater zog wahrscheinlich 1890 in den Sumpf und verließ den Sumpf, als er sich 1936 in den Ruhestand setzte. Vor 1890 wohnte er in Mönchsdeggingen, war aber 1886 schon beim Fürst angestellt. Er war genau 50 Jahre beim Fürst im Dienst.

 

Sehr einfaches Forsthaus

 

Danach hatte ein junger Förster das Haus übernommen. Es wurde dann modernisiert und Elektrizität und laufendes Wasser eingebaut. Der Sumpf wurde in den 60er Jahren abgerissen. Wie ich mich erinnere, war das Leben sehr, sehr primitiv - sogar von den damaligen Zuständen aus gesehen. Das Leben hatte sich vollkommen um die Familie gedreht. Mit Außenseitern hat man sich höflich, aber zurückhaltend abgegeben. Familienangelegenheiten sind sehr privat geblieben.

 

Es gab im Haus keine Elektrizität. Karbidlampe und Kerzenlicht waren die einzige Beleuchtung. Matratzen hat es nicht gegeben. Da war ein Strohsack und darauf ein Hennenfeder-Unterbett. Man hat sich mit einem Feder/Daunenbett zugedeckt. Großmutter war sehr geschickt. Sie machte ihre eigene Butter und Seife und alle zwei Wochen wurde Brot gebacken. Einmal in der Woche ein Zelten gemacht.  Es gab natürlich viel Wild zum Essen. Einmal im Monat fuhr Tante Babette mit dem Fahrrad nach Nördlingen, um Kaffee (der einzige Luxus), Reis und frische Wurst und vielleicht Rindfleisch für eine Suppe und Kurzwaren zu kaufen. Da waren zwei Kühe, zwei Schweine, ein paar Enten und ein Dutzend Hühner.

 

Feine Würste selbst bereitet

 

Sie hatten drei Äcker - zwei fürs Getreide, einen Acker für Kartoffeln und eine Wiese fürs Heu. Da war ein großer Garten, wo viele Saurüben angepflanzt wurden, sowie Kraut, Gemüse und Kräuter. Großvater machte die besten Brat-, Leber- und Blutwürste. Er hatte das von seinem Onkel, dem Metzger in Unterringingen, gelernt. Er war sehr kritisch über Würste von anderen und hatte immer etwas daran auszusetzen - nicht genügend von dem Gewürz oder sonst was.

 

Wenn der Fürst und seine Familie mit der Kutsche am Haus vorbeifuhren, musste die ganze Familie auf der vorderen Treppe versammelt sein und die Männer haben eine tiefe Verbeugung gemacht.“

 

„Im grünen Wald ...“

 

Die einstigen fürstlichen Forstämter Mönchsdeggingen (später Harburg), Hohenaltheim, Bissingen, Härtsfeldhausen, Baldern und Uttenstetten gibt es nicht mehr, sie wurden in der Vergangenheit aufgelöst. Leiter der Forstämter waren die Forstmeister, die im Forstamt mit ihrer Familie wohnten. Jedem Forstamt unterstanden mehrere Forstbezirke. Verantwortlich für den jeweiligen Bezirk war der (Revier-)Förster, landläufig „Jäger“ genannt, weil die Jagdaufsicht zu einer seiner Hauptaufgaben zählte. Jeder Forstbezirk besaß ein Forsthaus. Auch für den Förster bestand sogenannte Residenzpflicht, das heißt, er musste im Forsthaus wohnen. Zum Forstamt Hohenaltheim gehörten die Forsthäuser Christgarten, Hochdorf, Karlshof, Parkhaus, Sumpf und Sägmühle; die Forsthäuser Thurneck, Harburg, Eisbrunn, Plossen und Mönchsdeggingen waren dem Forstamt Mönchsdeggingen und nach dessen Auflösung dem Forstamt Harburg unterstellt.

 

Forsthaus Sägmühle

 

Von den genannten Forsthäusern, die ihre Funktion alle eingebüßt haben, sind noch etliche vorhanden, nämlich Christgarten, Thurneck, Eisbrunn und Karlshof. Sie werden anderweitig genutzt. Alle anderen Jägerhäuser wurden abgerissen. Nachfolgend eine kurze Standortbeschreibung dieser verschwundenen Forsthäuser.

 

Forsthaus Parkhaus (abgerissen 1970), errichtet für den Parkförster im ehemaligen Tiergarten (Hirschpark). 1,5 Kilometer von Hohenaltheim entfernt, gelegen an der Staatsstraße 2212 Nördlingen-Höchstädt, unmittelbar am Waldrand, Abteilung „Franzensruh“, nach der Abzweigung der Kreisstraße Bollstadt-Amerdingen.

 

Forsthaus Sumpf, 1,5 Kilometer von Niederaltheim entfernt, an der Gemeindeverbindungsstraße nach Bollstadt gelegen, in der Waldabteilung „Frohnmüllersbirk“. Der Name „Sumpf“ soll von einem sumpfigen Waldgebiet in der Nähe des Forsthauses herrühren.

Forsthaus Sumpf /Foto: Anne Haines

 

Forsthaus Plossen (1969 abgebrochen) mit der Anschrift „Mönchsdeggingen Hs.Nr. 150“ an der Staatsstraße 2221 Möttingen-Bissingen gelegen, ziemlich genau in der Mitte zwischen Mönchsdeggingen und Untermagerbein, etwas abseits rechts am Waldrand, Abteilung „Waldhaus“.

 

Forsthaus Hochdorf. An der Staatsstraße 2212 Nördlingen-Höchstädt gelegen, etwa einen halben Kilometer nach der Landkreisgrenze zu Dillingen, rechts am Waldrand, Abteilung „Guckelöcher“, am Eingang zum Kesseltal.

 

Forsthaus Sägmühle /1799-1972) gelegen am Forstweg Hohenaltheim-Mönchsdeggingen (1,5 Kilometer bis Hohenaltheim, 2,5 Kilometer bis Mönchsdeggingen), als Rodung am Waldrand, auf einer Wiese mit alten Kastanienbäumen, am Bautenbach (bzw. Kreuzlesbach), Abteilung Sägmühle. - 1799 als Schneidmühle errichtet, ab 1869 in fürstlichem Besitz, 1889 wird aus der Sägmühle ein Forsthaus inmitten des sogenannten Hirschparks - später dient es nur noch als Wohnhaus für einen fürstlichen Beschäftigten und dessen Familie. (gss)

 

„I hab a schöas Häusle ...“

 

Appetshofen (gss) - „Unser Forsthaus war ein einfaches Haus, aber ich fühlte mich wohl dort. Es gab kein Bad und keine Wasserleitung. Das Wasser habe ich mit Eimern vom Forellenbach geholt. Die Wäsche wurde im Bach geschwenkt, auch im Winter. Mein Vater konnte die Wasserschlepperei nicht mehr mit ansehen und hat uns eine Flügelpumpe gebracht. Es wurde vom Bach eine Leitung gegraben und nun konnte ich in der Küche das Wasser heraufpumpen. Das war wunderbar, besonders im Winter. Im Sommer schürten wir den Waschkessel in der Waschküche, im Winter war die Badestube in der Küche. Die Winter hatten damals noch viel Schnee und es war sehr kalt. Die Schlafzimmer waren eiskalt. Gerne bin ich damals im Winter nicht aufgestanden. Morgens wurde in der Küche geschürt, mittags der Kachelofen in der Stube angeheizt“, schreibt die ehemalige Försterfrau Luise Müller in ihren Lebenserinnerungen.

 

Mit ihrem Mann, dem Förster Josef Müller, und den drei Kindern bewohnte sie von 1937 bis 1950 das alte Jägerhaus in Christgarten.

 

Die Wasserversorgung

 

Die Wasserversorgung der Forsthäuser war nicht ganz einfach. Oberförster Michael Gnugesser vom Eisbrunn berichtet: „Als ich 1950 nach Eisbrunn kam, gab es im Forsthaus keine Wasserleitung. Wasser wurde in einem großen Fass von einem Bauern aus Möggingen gebracht und an Ort und Stelle in eine Art Zisterne geleert. Erst etliche Jahre später wurde im Haus eine Wasserleitung installiert.“ Manfred Zäuner, der im Parkhaus aufwuchs, hat Ähnliches erlebt: „Beim Parkhaus gab es eine Quelle, deren Wasser durch eine Leitung in ein Sammelbecken floss. Im Sommer versiegte diese Quelle, sodass wir das Wasser am Ursprung holen mussten. 1950 wurde ein Brunnen gegraben. Mittels einer Pumpe gab es dann eine Wasserversorgung im Haus.“

 

Die Stromversorgung

 

Die Versorgung der Forsthäuser mit Strom geschah bei manchen relativ spät. Erst 1944 bekamen zum Beispiel die Forsthäuser Sägmühle und Parkhaus elektrischen Strom. „Bis dahin hatten wir Petroleumlampen“, sagt Willi Kilian von der Sägmühle. Von Gaslampen, die das Parkhaus erhellten, berichtet Manfred Zäuner. „Jedes Jahr schlug der Blitz etliche Male in die Lichtleitung ein und sorgte für Stromausfall“, meint Marianne Ganzenmüller vom Forsthaus zum Plossen. Im Winter kam es oft vor, dass plötzlich das Licht ausging, weil ein Ast unter der Schneelast zusammengebrochen und auf die Stromleitung gefallen war, erinnert sie sich.

 

Geräumige Häuser

 

Dienstsitz und -wohnung des Försters war das Forsthaus. Er musste in diesem Haus wohnen, er war der „Residenzpflicht“ unterworfen. Der Mietpreis war ein geringer. Die Jägerhäuser, die oft ein Obergeschoss hatten, waren recht geräumig. „Vier Zimmer, eine Küche, eine Waschküche, sogar ein Spülklosett und ein Baderaum, den wir uns nach und nach selber einrichteten, standen uns im Forsthaus Plossen zur Verfügung. Es war aber ein feuchtes Haus“, sagt Marianne Ganzenmüller, die von 1950 bis 1969 mit ihrer Familie dort wohnte. Ein WC war eine Ausnahme, in den allermeisten Forsthäusern gab es um diese Zeit ein „Plumpsklo“. Manfred Zäuner, im Parkhaus aufgewachsen, erinnert sich an Einzelöfen, mit denen das Haus beheizt wurde.

 

Das Holz bezogen die Jäger verbilligt von ihrem Dienstherrn, mussten es aber selber aufarbeiten. Im Parterre sind Büro, Wohnzimmer, Wohnküche mit Speis, Trockenklosett und nach 1950 ein Badezimmer gewesen, im Obergeschoss relativ hohe Schlafräume. Das Haus wies einen einfachen Standard auf. Das Mauerwerk war mit Bruchsteinen aufgebaut. Ein Wildbretkeller oder eine Wildkammer, wo das geschossene Wild zerwirkt wurde, durfte in keinem Forsthaus fehlen. Wirtschaftsgebäude (Stadel, Ställe usw.) gehörten zu allen fürstlichen Forsthäusern.

 

Jährliche Baufallschätzung

 

Die Förster durften im und am Forsthaus und bei den sonstigen Gebäuden keine baulichen Veränderungen vornehmen. Jedes Jahr kam der fürstliche Bauamtmann Heinrich Schmitzer, der Schadensmeldungen und Wünsche der Forsthausbewohner entgegennahm. Danach wurde die Baufallschätzung durchgeführt. So beantragte zum Beispiel der Forstwart Otto Horlebein im Forsthaus in Christgarten, das er zuvor zwei Jahre als Junggeselle bewohnt hatte, anlässlich seiner Verheiratung kleinere Umbauten. Seinem Antrag wurde stattgegeben.

 

 

„Fuchs, du hast die Gans gestohlen!“

 

Vom Leben in den einstigen Forsthäusern (3)

 

Zu den Forsthäusern gehörten Haus- und Obstgärten. „Im Garten hatten wir viele Johannisbeersträucher und dadurch Marmelade für uns alle. Im Herbst wurde der Garten nach und nach abgeerntet und die Vorräte kamen in den Keller. Im Oktober noch die Äpfel ...“, schreibt Luise Müller vom Forsthaus Christgarten. Im Parkhaus wurde sogar so viel Obst geerntet, dass man mosten konnte, wie sich Manfred Zäuner erinnert. Willi Kilian von der Sägmühle erzählt: „Wir hatten einen schönen Blumen-, Gemüse- und Obstgarten beim Haus. Einen Anteil am Hohenaltheimer Krautgartenfeld, ganz in der Nähe unseres Forsthauses, besaßen wir auch.“ Die siebenköpfige Familie war somit einen Teil des Jahres mit Gemüse und Obst versorgt.

 

Dienstäcker

 

Über sogenannte „Dienstäcker“, Acker- und Wiesenland, verfügte jedes Jägerhaus. Die Größe dieser Dienstgründe war unterschiedlich. Die Wiese lieferte Futter für das Milchvieh (Kuh, Ziege) im Forsthaus. „In unserem Forsthaus wurden drei Kühe gehalten. Meine Mutter hat sogar selber gebuttert. In der Kriegs- und Nachkriegszeit ein glücklicher Umstand“, weiß Anni Kraut (Jg. 1937), geborene Gerstetter, die ihre Kindheit und Jugend im Jägerhaus Hochdorf verbrachte. Auf dem Dienstacker wurden Getreide und Kartoffeln angebaut. „Wir ernteten so viel Kartoffeln, dass wir vier Schweine füttern konnten. Zwei schlachteten wir selbst, zwei verkauften wir“, erinnert sich die Förstersfrau vom Plossen. Mancher Holzhacker schickte von seiner Stechsau „an Herratoil“ (etwa zwei Pfund Fleisch) ins Forsthaus, wie sich Heinrich Wolfinger aus Mauren erinnert. „Mei Vater war Holzhacker. Als Bua hab i oft amol an Herratoil en ds Jägerhaus noch Thurneck traga“, sagt er.

 

Förstersfrauen sind halbe Bäuerinnen

 

Die Förstersfrauen seien „halbe“ Bäuerinnen gewesen, heißt es. Die Betreuung der Reviere nahm die allermeiste Zeit ihrer Männer in Anspruch, sodass sie ihren Frauen nicht viel zur Hand gehen konnten. Diese waren aber oft bäuerlicher Herkunft und dadurch mit den landwirtschaftlichen Arbeiten und der Haltung von Tieren vertraut. Gewisse Arbeiten wie äckern, säen, mähen, Getreide ernten und dreschen wurden an Bauern der Umgebung vergeben. So halfen zum Beispiel Hochdorfer Bauern bei der Heuernte ihres Försters.

 

In allerlei Schuppen und Ställen konnten Heu und Stroh, Holz und Tiere untergebracht werden. „Das alte Backofenhäuslein im Garten war abgerissen und darauf ein Hühnerstall errichtet worden. Wir hielten Geflügel und hatten Eier von den eigenen Hennen“, berichtet Michael Gnugesser vom Forsthaus Eisbrunn. Federvieh hielt jede Förstersfrau. Es durfte nur nie vergessen werden, „da Hennaschlupfer“ und die Türe zum Enten- und Gänsestall am Abend zu schließen, sonst hieß es am anderen Morgen: „Fuchs, du hast die Gans gestohlen!“.

 

Die Förstersfrau vom Plossen erinnert sich noch ganz genau an ein Jahr, in dem es „ganz arg war mit Füchsen“. „Sie haben mir mehrere Hennen gestohlen“, sagt sie.

 

Auch Manfred Zäuner vom Parkhaus bestätigt: „Das Federvieh war durch Habicht und Fuchs stark gefährdet.“

 

Umfangreiche Kleintierzucht im Forsthaus

 

Eine umfangreiche Kleintierzucht betrieb Luise Müller im alten Christgartener Forsthaus:

 

„In der alten Hundehütte hinterm Saustall hatte eine Henne allein gebrütet. Neun Küken hatte sie. Am anderen Tag bin ich mit einem ausgepolsterten Körbchen nach Ederheim gegangen und hab in der Brüterei, die es damals dort gab, noch sechs Küken gekauft ... Ich hatte zuletzt 40 Hühner. Der Eierhändler konnte bei mir jede Woche Eier abholen ... Ein Verwandter brachte mir eine Truthenne. Ich besorgte mir 20 Truthühnereier und setzte die Truthenne in einen großen, mit Stroh gefüllten Weidenkorb in einen leeren Saustall. Und siehe da, nach etwas mehr als drei Wochen hatte sie 17 Küken ausgebrütet! Im Hof des Forsthauses sind sie herumspaziert ... Ich züchtete auch Stallhasen. 25 Hasen hatte ich im Sommer. Im Winter nur ein Pärchen.“ (gss)

 

„Ond dass em Holz so finschter isch“

 

Nördlingen Die Forsthäuser lagen meistens abgeschieden in einiger Entfernung zum nächsten Ort. Ihre Bewohner mussten deshalb mehr oder weniger lange Einkaufs-, Schul-, Kirchen-, Dienst- und sonstige Wege zurücklegen; früher zu Fuß, später mit dem Fahrrad. Mancher Förster besaß in den 1950er Jahren ein Motorrad oder gar ein Auto. „Ich hatte 1958 schon eine ’Isetta’, das erste Auto in Christgarten“, berichtet Oberförster Otto Horlebein.

 

Forsthaus Parkhaus

 

Zum Rapport ins Forstamt

 

Die Försterfamilie vom abgelegenen Eisbrunn war auf Harburg ausgerichtet. Zu Fuß brauchte man dorthin eine Stunde. Einmal in der Woche kaufte die Försterfrau im Städtchen ein. Wann immer möglich, benutzte sie dabei das Fahrrad. Milch brachte ein Holzhacker aus Möggingen täglich von seinen Kühen ins Forsthaus. Gut hatten es diesbezüglich auch die Bewohner vom Parkhaus. Butter, Milch und Käswasser für die Schweine brachte der Bollstädter Milchwagen mit, der auf seinem Weg zur Hohenaltheimer Molkerei an ihrem Forsthaus vorbeifuhr. Für Familie Kilian von der Sägmühle war Mönchsdeggingen das „Zentrum“. Hier gab es einen Sattler, einen Friseur, einen Schneider, einen Doktor, einen (Fahrrad-) Mechaniker, einen Metzger- und einen Krämerladen. Eine halbe Stunde Gehzeit war es dorthin, zwar etwas weiter als nach Hohenaltheim, „aber z Degge war eba mehr loas“, meint Willi Kilian.

 

Viel zu Fuß unterwegs

 

Ebenfalls in Mönchsdeggingen kaufte Marianne Ganzenmüller vom Forsthaus Plossen ein. „Das Eingekaufte musste ich dann eineinhalb Kilometer heimtragen“, erzählt sie. Zur Betreuung ihrer meistens recht großen Reviere waren die Jäger viel zu Fuß unterwegs. Außerdem mussten sie jede Woche zum Rapport (Dienstbesprechung) im Forstamt erscheinen.

 

Beschwerlicher Schulweg

 

Die Kinder aus den Forsthäusern hatten oft lange Schulwege. Schaffhausen war der Schulort für die Försterkinder vom Eisbrunn. „Im Sommer konnten sie mit dem Roller fahren. Am Hinweg ging es bergab. Im Winter marschierten sie zu Fuß“, sagt der Vater. Der Kirchenweg zur Klosterkirche Mönchsdeggingen betrug vom Eisbrunn aus sieben Kilometer. „Während ich sonst eigentlich immer da sein musste, war der Kirchgang am Sonntag gestattet“, meint Oberförster Michael Gnugesser. 20 Minuten war Manfred Zäuner zur Schlosskapelle in Hohenaltheim zum sonntäglichen Gottesdienstbesuch unterwegs. Zur Winterzeit war der Schulweg für die Kinder aus den Jägerhäusern oft recht beschwerlich. „Em Wenter war’s oft zua“, heißt es.

 

Das Schneeräumen ging übers Forstamt. Morgens war noch kein Weg gebahnt. Das geschah meist erst im Laufe des Vormittags. Am Nachmittag war oft schon wieder alles eingeschneit, sodass die Schüler nach dem Nachmittagsunterricht erneut durch tiefen Schnee waten mussten.

 

„Ich konnte im Winter manchmal nicht zur Schule nach Unterringingen gelangen, weil hohe Schneewehen es nicht gestatteten“, erzählt Anna Krauth, geborene Gerstetter, vom Forsthaus Hochdorf. Der Weg musste erst von dortigen Bauern und Forstarbeitern freigeschaufelt werden.

 

Unzureichende Kleidung

 

Willi Kilian, dessen Schulzeit in die Kriegs- und Nachkriegszeit fiel, erinnert sich, dass er und seine Geschwister über keine angemessene winterliche Kleidung und gutes Schuhwerk für den halbstündigen Weg nach Hohenaltheim verfügten. Frierend und durchnässt kamen die Sägmühlkinder oft in der Schule an. „Unser Schulweg hatte aber auch zu allen Jahreszeiten seine schönen, mitunter sogar abenteuerlichen Seiten“, gesteht der einstige Bewohner des Forsthauses Sägmühle.

 

Schwierig wurde es für Försterkinder früher, wenn sie eine weiterführende Schule besuchen wollten. Manfred Zäuner vom Parkhaus wurde deshalb in den 1950er Jahren von seinen Eltern in eine Internatsschule nach Dinkelsbühl geschickt. „Als meine Söhne die Oberschule in Nördlingen besuchten, wohnten sie während der Woche bei Frau O. in der Oskar-Mayer-Straße und aßen im Gasthaus ’Knie’ zu Mittag. Am Samstag holte ich sie mit dem Auto heim“, berichtet Oberförster Michael Gnugesser vom Eisbrunner Forsthaus. (gss)

 

„Schöne Kindheit und Jugendzeit im Forsthaus“

 

Obgleich die Bewohner der einstigen Forsthäuser meistens keine unmittelbaren Nachbarn hatten, fühlten sie sich nicht einsam in ihrer Abgeschiedenheit. „Nachbarn haben wir nicht vermisst“, sagt die Förstersfrau vom Plossen. Paula Horlebein vom Forsthaus Christgarten gesteht: „Ich war gerne in Christgarten. Ich liebte Wald und Natur. Es kamen viele Wanderer vorbei, Schulklassen und Vereine.“ Anna Krauth vom Hochdorfer Jägerhaus erinnert sich gerne an ihre Kindheit im einsamen Forsthaus: „Ich erlebte dort eine schöne Kindheit. Tiere waren meine Spielgefährten. In meinen Puppenwagen setzte ich Kätzchen und spannte die Hunde zum Ziehen davor.“

 

Die Försterfamilien pflegten untereinander oft enge, freundschaftliche Beziehungen. „Meine Nachbarförsterin, Frau Kucher vom Forsthaus Karlshof, war eine ältere Dame und ich mochte sie gerne, sie war mir wie eine Mutter und gab mir manchen guten Rat. Von Zeit zu Zeit besuchten wir einander. Es war nur eine gute halbe Stunde Fußweg. Meistens gab es Malzkaffee und ein Vesper“, schreibt Luise Müller vom Forsthaus Christgarten in ihren „Lebenserinnerungen“.

 

Treffen zum Kartenspiel

 

Manfred Zäuner vom Parkhaus denkt noch gerne an die Treffen mit Pfarrer, Lehrer und Förster vom Jägerhaus Sumpf zum Kartenspiel reihum in den Wohnungen und später im Hohenaltheimer Wirtshaus. Selbst die Ehefrauen waren anfangs dabei und vertrieben sich die Zeit mit Unterhalten und Stricken. Zum Sonntagsvergnügen gehörte nachmittags der Besuch auf dem Karlshof. „Jedn Sonnte isch ma do hentre dappt“, meint schmunzelnd Manfred Zäuner.

 

Ausflüge in das Nachbardorf

 

Selbst vom kulturellen Leben in den benachbarten Dörfern waren die Forsthausbwohner nicht ausgeschlossen. So sagt Willi Kilian vom Forsthaus Sägmühle: „Meine Eltern und auch wir Kinder, als wir erwachsen wurden, besuchten gerne in Mönchsdeggingen die Theateraufführungen des Gesangvereins und die Faschingsbälle im Gasthaus „Zur Rose“. „Bei den Kirchweihfesten waren die Jäger gern gesehene Gäste in den Dorfwirtshäusern. Die Abgeschiedenheit ihres Wohnhauses beklagen aber zwei Försterstöchter: „Als wir in das Alter kamen, in dem wir auch einmal ’furt’ (ins Kino, zum Tanzen in die Disco) wollten, war dies vom Forsthaus aus unmöglich.“

 

Aufgewachsen im Forsthaus Sägmühle

 

Ins Schwärmen gerät Willi Kilian, wenn er von seinem Aufwachsen im Forsthaus Sägmühle erzählt. Zusammen mit seinen Eltern Heinrich und Emma Kilian, einer Schwester und drei Brüdern hat er eine wunderschöne Kindheit und Jugend auf der Sägmühle erlebt. Der Vater war fürstlicher Fuhrknecht, später Holzhacker und Schlagmeister. Er hatte zwei Pferde vom Fürsten, mit denen er alle anfallenden Arbeiten erledigen musste. Dazu zählte die Bewirtschaftung von Wiesen und Wildäckern, auf denen Heu für die Wildfütterung gemacht und Hafer angebaut wurde.

 

Hirsche aus Ungarn

 

Heinrich Kilian musste alle Wild- und Pflanzentransporte durchführen, im Winter Holz rücken und den Bahnschlitten zum Schneeräumen schleifen. Bei mancher dieser Tätigkeiten durften die Buben dabei sein, so auch, wenn auf dem Nördlinger Bahnhof Hirsche abgeholt wurden, die aus Ungarn stammten und zur „Blutauffrischung“ im Hirschpark vorgesehen waren. „Wir Buben waren mit dem Vater viel im Wald und sind in der Natur aufgewachsen. Wir kannten alle Tiere und Pflanzen des Waldes. Wir waren totale Waldläufer. Kein Wunder, dass zwei meiner Brüder Förster geworden sind, auf die Jagd gehen wir alle vier“, sagt Willi Kilian. Die Schulkameraden kamen zum Spielen in die Sägmühle, streunten im Wald herum und erlebten dabei so manches Abenteuer.

 

„Unsere Mutter kam wenig unter die Leute. Da sie aber lustig und aufgeschlossen war, freute sie sich, wenn Leute am Forsthaus vorbeikamen und sie sich mit ihnen unterhalten konnte. Das waren Spaziergänger und Frauen aus Hohenaltheim, die zum Gießen ihres Krautgartens den Weg über die Sägmühle nahmen. Gendarmen der Mönchsdegginger Gendarmeriestation schauten auf ihren Dienstgängen vorbei, ebenso der Kaminkehrer, der in die umliegenden Dörfer unterwegs war. Oft machten sie in der Sägmühle Brotzeit und probierten unseren Most“, erzählt Willi Kilian.

 

Alle Spaziergänge führen zur Sägmühle

 

Obgleich das Forsthaus Sägmühle schon 1972 abgebrochen wurde, zieht es ihn immer wieder an den Ort, wo einst sein Geburtshaus stand. So auch jetzt. Obstbäume erinnern noch an den ehemaligen Garten, Kastanienbäume auf der angrenzenden Wiese waren wichtig fürs Wild. Willi Kilian zeigt auf ein etwas weiter entferntes Wiesenstück, den ehemaligen Reitplatz von Fürstin Delia. Das Rauschen des Bautenbaches, der an der Nordseite des Hauses vorbeifloss, hat er immer noch im Ohr.

 

Sein Kinder- und Jugendparadies hat er in bester Erinnerung behalten. Wenn die Brüder auf Besuch kommen, führt der obligatorische Spaziergang über den Hohenaltheimer Lindenberg und den Ursprung zur Sägmühle. (gss)

 

 

Lohnender Blick zurück

 

Bissingen/Donauwörth Den Blick zurück auf eine fast vergessene Welt, die dennoch erst wenige Jahrzehnte zurückliegt, richtet die Heimatforscherin Gerda Schupp-Schied aus Appetshofen im Ries. Nun erschien der achte Band ihrer Reihe „Ausschnitte aus dem Rieser Dorfleben“.

 

Gsodschneida

 

Das Titelbild des Buches „Gsodschneida – Ausschnitte aus dem Rieser Dorfleben VIII“. Reproduktion: Herreiner

 

Unter dem Titel „Gsodschneida“ verstehen wohl nur noch die ländlich geprägten, älteren nordschwäbischen „Ureinwohner“ etwas. „Gsod“ war einst die Schneidemaschine zum Schneiden von Kurzfutter für das Großvieh. In das Kurzfutter konnte man Stroh und Dreschabfälle mit hineinschneiden und so das gute Futter für die langen Wintermonate etwas strecken. Doch nicht nur die traditionelle Landwirtschaft im Ries und seiner näheren Umgebung ist Thema des 237 Seiten umfassenden neuen Buches, sondern die frühere Volksschullehrerin erinnert in den 25 Kapiteln ihres Werkes auch an alte Bräuche und Redensarten und nicht zuletzt an Persönlichkeiten, wie man sie heute in einer durchrationalisierten Welt kaum noch findet.

 

Semmeln und Brot

 

Wenn zwölfjährige Jungen aus Lierheim als „Beckabuaba“ morgens vor Schulbeginn Semmeln und Brot in umliegenden Dörfern verkauften, durften sie nicht mundfaul sein. Die „Zwiebelleit“, Familie Pflaum aus Hallstadt bei Bamberg, verkauften 50 Jahre lang, bis zum Jahre 2001, ihre allseits geschätzte Ware zwischen Hohenaltheim und Harburg. Vom „Salatsepper“ erfährt man ebenso etwas wie vom „Ganssekretär“, welcher auf dem Stadtmarkt zwischen Kunden und Verkäufern vermittelte und sich dafür mit Federn bezahlen ließ.

 

Auch auf das Leben in den einstigen abgelegenen Forsthäusern richtet Gerda Schupp-Schied ihren Blick. Im Eisbrunn gab es im Jahre 1950 noch keine Wasserleitung, sodass das Wasser in einem großen Fass aus Möggingen heraufgebracht werden musste, wie Oberförster Michael Gnugesser berichtet.

 

Nur den Namenstag gefeiert

 

Und Anna Krauth vom Forsthaus Hochdorf bei Oberringingen erzählt, dass sie im Winter manches Mal nicht zur Schule in Unterringingen gelangen konnte, weil hohe Schneewehen den Weg unpassierbar machten. Dass in den katholischen Familien im nördlichen Schwaben einst nur der Namenstag und nicht der Geburtstag mit Glückwünschen und kleinen Geschenken gefeiert wurde, ist heute ebenfalls fast in Vergessenheit geraten.

 

Und das Sprichwort „Besser a wüaschter Fleck als a schöas Loch“ erschließt sich in Zeiten der Massenware im Bekleidungssektor auch nicht mehr jedem jüngeren Zeitgenossen. (HER)

 

Info Das Buch „Gsodschneida - Ausschnitte aus dem Rieser Dorfleben VIII“ der Rieser Kultur-Preisträgerin Gerda Schupp-Schied ist im Verlag F. Steinmeier, Nördlingen, erschienen. Preis: 19,80 Euro, ISBN 78-3936363-50-0.